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01.07.2019 12:05

Naturschutztag des Landkreises Greiz nimmt invasive Arten und deren Auswirkung in den Fokus


Wie soll ich damit umgehen, wenn in meinem Garten Riesenbärenklau wächst? Was tun, wenn sich ein Waschbär an meinem Obstbaum labt? Und was, wenn sich Graskarpfen über sämtliche Gewässerpflanzen hermachen? Diese und ähnliche Fragen waren Thema beim 22. Naturschutztag des Landkreises Greiz, dessen Fokus auf invasiven Arten lag.
Was also tun mit Neophyten (regional nicht natürlicherweise vorkommende Pflanzen) und Neozooen (regional nicht natürlicherweise vorkommende Tiere)? Die wissenschaftlichen Meinungen gehen hier auseinander. „Die einen sprechen von Bereicherung, die anderen von Gefahr für die heimische Natur“, weiß Dr. Coburger von der unteren Naturschutzbehörde. Eine abschließende Antwort darauf wird es kaum geben, allein deshalb, weil jede Art einzeln betrachtet werden muss. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Öffentlichkeit über dieses Thema. Und genau hierzu möchte der Naturschutzbeirat mit der Veranstaltung, die als Exkursion in Berga startete und über Gauern, Hain, Döhlen und Zeulenroda in den Pöllwitzer Wald führte, beitragen. Die Beispiele der Fachreferenten waren vielzählig. Die eigentlich in Afrika heimische Nilgans ist im Landkreis Greiz flächendeckend nachgewiesen. Sie vermehrt sich nicht nur teils überproportional zu heimischen Wasservögeln, sondern beraubt sich teilweise auch deren Nester. Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs, oft eingeschleppt über den Zoohandel für die „Aufhübschung“ von Gartenteichen, hat sich in seiner Heimat gegen die Krebspest immunisiert, infiziert hierzulande allerdings den vom Aussterben bedrohten Edelkrebs. Der aus Nordamerika stammende Waschbär breitet sich auch im Landkreis Greiz stark aus, wurde 2018 allein in der Hegegemeinschaft Dreiländereck 180 Mal erlegt. Das Problem: Er frisst alles, sehr gern etwa Vogeleier aus Nestern, hat hier so gut wie keine Fressfeinde und kann über seinen Kot einen auch für Menschen gefährlichen Bandwurm übertragen. Auch der Riesenbärenklau, ursprünglich im Kaukasus heimisch, ist längst im Landkreis angekommen. Finanziell von der Sparkassenstiftung Gera-Greiz unterstützt, sind ihm die Gärtner der Vogtlandwerkstätten Naitschau seit  2011 auf der Spur. Riesenbärenklau stellt bei direktem Kontakt nicht nur ein gesundheitliches Risiko dar, sondern verdrängt nachweislich die heimische Pflanzenvielfalt. Probleme mit invasiven Arten, das wurde an dem Tag klar, werden sich in Zukunft weiter ausweiten. Dies sei ganz simpel eine Folge der Globalisierung. Wie im Einzelnen damit umgegangen wird und welche Verantwortlichkeiten bestehen, dafür müsse ein deutlich stärkeres Bewusstsein in der gesamten Bevölkerung geschaffen werden – im Sinne des Schutzes der regional heimischen Flora und Fauna.