Denkmalschutzpreis 06
Vorstellung der Preisträger des Jahres 2006
Wohnhaus 108 in Kraftsdorf
Straße der Einheit 108
07586 Kraftsdorf
Das Wohnhaus bildet auf dem Hof den ältesten Gebäudebestand. Es liegt giebelständig zur Straße und nahm neben der Wohnnutzung noch weitere Funktionen auf. So lagen im rückwärtigen Gebäudeteil Stallungen und Kammern zur Lagerung von Winterfutter und Getreide. Neben der Toreinfahrt befindet sich ein kleineres Seitengebäude und den hinteren Abschluss des Hofraumes bildet eine Scheune.
Während die Scheune und das Nebengebäude sich immer im gewohnten Fachwerk zeigten, war der Straßengiebel des Wohnhauses mit einem flächigen Verputz und mit einer Schalung verkleidet. Dahinter lagen das Umgebinde, die Holzstube, das Küchengewölbe und vieles mehr. Seit der Errichtung des Hauses sind zahlreiche Veränderungen vorgenommen worden.
Nach drei Jahren Bauzeit wurde das Wohnhaus nun restauriert. Das Fachwerk wurde wieder an die Oberfläche geholt, die Fehlstellen in traditioneller Zimmermannstechnik ergänzt und die Ausfachungen mit Strohlehm geschlossen.
Die alten handgearbeiteten Oberflächen aber auch die Fußbodendielen, dessen Holz eigens für diese Verwendung eingeschlagen und bis zur Verlegung im Haus in Eigenleistung bearbeitet wurden, sollen hier stellvertretend für die hohe Qualität der denkmalpflegerischen Arbeiten genannt sein.
Für das private Engagement bei der Restaurierung und Instandsetzung des Wohnhauses der Hofanlage in Kraftsdorf wird Herrn Thomas Fritzsche daher der Denkmalschutzpreis 2006 des Landkreises Greiz verliehen.
Kirche Krölpa
Erstmals im Jahr 1378 wird eine Kapelle in Krölpa erwähnt.
Im 30jährigen Krieg verwüstet, erfolgte der Wiederaufbau der Kirche um 1640.
Hundert Jahre später zerstörte ein Sturm den Kirchenbau fast vollständig.
1744 bauten die Krölpaer eine kleine Chorturmkirche.
Mit dem Aufsetzen der Schweifkuppel und dem Bau des Langhauses im Jahr 1750 erhielt die Kirche ihre Gestalt; die heute noch das Straßendorf Krölpa prägt.
Allerdings hatte der Zahn der Zeit mächtig an der Substanz des über 250 Jahre alten Kirchenbaus genagt. Im Jahr 2000 waren die Schäden so erheblich, dass nur komplexe Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen den dramatischen Verfall des Gotteshauses noch verhindern konnten.
Dabei zeigte der schlechte äußere Zustand, wie die großflächig schadhaften Putzstellen oder die schadhafte Dacheindeckung nur teilweise die prekäre Lage.
Starker Befall mit Echtem Hausschwamm unter anderem in den Deckenbalken, erhebliche Schäden an der Tragkonstruktion des Turms oder umfangreiche Durchfeuchtungen der unteren Wandbereiche erforderten kurzfristiges Eingreifen.
Der Gemeindekirchenrat stellte sich der scheinbar unlösbaren Aufgabe.
Unter dem Motto "Rettet unsere Kirche" wurden die Krölpaer auf die anstehenden Aufgaben "eingeschworen".
"Wir sind es auch unserer nachfolgenden Generation schuldig", brachte der Kirchgemeinderatsvorsitzende Heinfried Kärner das gemeinsame Anliegen kurz und treffend zum Ausdruck.
In der Folgezeit brachten die Krölpaer Kirchgemeindemitglieder und viele freiwillige Helfer aus dem Ort mit viel persönlichem Einsatz hunderte von Stunden auf dem Gerüst und in der Kirche zu.
Entscheidend war allerdings auch, dass der Gemeindekirchenrat mit vielen Ideen, Ausdauer aber auch Cleverness abseits der Baustelle erfolgreiche Arbeit leistete.
Behörden wurden besucht, Fördermittelanträge gestellt und zahllose Gespräche geführt.
Neben den vielen privaten Spenden konnten zum Beispiel Zuschüsse der Stadt Auma, des Landkreises Greiz, des Kreiskirchenamtes Gera, der Württenbergischen Osterkollekte und Städtebaufördermittel sowie Lottomittel eingesetzt werden.
Auch die am Bau beteiligten Handwerksbetriebe lieferten hervorragende Arbeit ab.
Bald konnte auch der Unbeteiligte erkennen, dass die Dorfkirche Krölpa wieder ihr überliefertes Erscheinungsbild zeigte.
Ohne Zeitverzug packten die Krölpaer auch die dringend notwendigen Bauarbeiten im Innenbereich an.
Die dem Originalzustand nachempfundene Zwischendecke wurde eingebaut, Gestühl Emporen, Türen aufgearbeitet und Wandflächen renoviert. Der Chorraum erhielt eine neue Wandfassung.
Alle Beteiligten gingen dabei mit hohem Sachverstand und Einfühlungsvermögen mit dem denkmalsgeschützten Kirchgebäude um.
Der Kirchgemeinde ist es gelungen, die stilvolle Schlichtheit, die der Kirchenbau seit Jahrhunderten ausstrahlt, trotz der erheblichen Eingriffe in die Bausubstanz zu bewahren.
Mittlerweile grüßt die schöne Dorfkirche wieder alle Durchreisenden und zeugt von den Engagement und dem Verantwortungsbewusstsein der Krölpaer Einwohner.
Die Kirchgemeinde Krölpa wurde für diese beispielhafte Gesamtsanierung der Dorfkirche Krölpa mit dem Denkmalschutzpreis 2006 ausgezeichnet.
Rathaus Berga
Das Rathaus der Stadt Berga wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Sein Hauptgebäude mit dem markanten, mittig positionierten, achteckigen Turm prägt wesentlich die Ansicht des parkartig gestalteten Marktes der Stadt. Ein Nebentrakt schließt den Gebäudekomplex zur Schlossstrasse hin ab.
Die in den vergangenen 10 Jahren durchgeführten Arbeiten
- sicherten zum einen den Bestand des Gebäudes unter anderem durch eine teilweise Erneuerung der Außenwände und eine komplette Erneuerung der Dacheindeckung in Naturschiefer.
- Außerdem erweiterte sich das Raumangebot durch den Ausbau des Dachgeschosses und es entstand ein den heutigen Bedingungen entsprechendes Verwaltungsgebäude durch ein neues Haupttreppenhaus aus einer Stahl- und Glaskonstruktion.
Bereits in dieser Phase waren der Hauptteil der Fenster und Außentüren nach historischem Vorbild aus Holz neu hergestellt worden.
Nicht nur durch die baulichen Eingriffe, sondern auch durch Witterungseinflüsse der vergangenen Jahrzehnte war die Fassade stark beschädigt worden. Die 2005 begonnene Sanierung umfasste
- die Erneuerung sämtlicher Putzflächen,
- die Überarbeitung vorhandener und die Erneuerung fehlender Gesimse und anderer Gestaltungselemente,
- die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der historischen Turmuhr sowie
- die farbliche Gestaltung der Außenfassade.
Die dabei getroffene Entscheidung für einen kräftigen roten Farbton, abgesetzt durch hellgrau gestaltete Zierelemente und einen mittelgrauen Sockel bezieht sich auf festgestellte historische Befunde und erfolgte in Abstimmung mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde. Mindestens genau so wichtig erscheint aber auch die gelungene Einbeziehung der Öffentlichkeit der Stadt Berga bei der Gestaltung.
Als Ergebnis steht im Zentrum des Ortes ein stadtbildprägendes Gebäude, auf das die Bergaer Bürger stolz sein können. Und nicht zuletzt werden vielleicht mehr attraktive Hochzeitsfotos mit der noblen Fassade des Bergaer Rathauses im Hintergrund entstehen.
Für die Fassadensanierung des Rathauses Berga erhielt die Stadtverwaltung Berga daher den Denkmalschutzpreis 2006 des Landkreises Greiz.
Dreinigkeitskirche in Zeulenroda
07937 Zeulenroda
Als Vorgängerbau für die evangelische Stadtpfarrkirche Zeulenroda wird um 1300 erstmals eine Georgskirche erwähnt. Nach dem großen Stadtbrand 1790 begannen Anfang des 19. Jahrhunderts die Bauarbeiten zum Wiederaufbau der Hauptkirche zur Heiligen Dreieinigkeit durch den Bauinspektor Taubert.
1820 wurde die im klassizistischen Baustil errichtete Kirche eingeweiht.
Der große rechteckige Langbau wird von einem örtlich angeordneten in mehreren rückspringenden Geschossen gegliederten Turm überragt. Den von einem zweigeschossigen Emporeneinbau zweiseitig begleiteten Innenraum schließt eine Flachdecke mit Rahmenbemalung und Medaillons in historisierenden Formen von 1903 ab.
Der hohe Kanzelaltar im Osten mit seiner korinthischen Säulenrahmung und dem Dreiecksgiebel entstammt der Bauzeit.
Nach ersten Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert musste das Bauwerk 1990, nicht zuletzt wegen starkem Befall durch den echten Hausschwamm, vollständig gesperrt werden. Umfangreiche Sanierungsarbeiten am Dach und vor allem am Turm waren dringend erforderlich. Die Teilsanierung von 1991 – 2000 umfasste die konstruktive Sicherung des baulichen Bestandes und den Wiederaufbau der Turmhaube. Die Instandsetzungsarbeiten dienten zunächst der teilweisen Wiedernutzbarmachung der Kirche.
Die Kirchgemeinde setzte sich aber das Ziel, den Sakralbau komplett zu sanieren für ein würdiges Gotteshaus und für eine anspruchsvolle kulturelle Nutzung.
Restauratorische Voruntersuchungen von der Innenraumfassung und der Außenfassade lagen schon seit Jahren vor und waren Bestandteil der denkmalpflegerischen Zielstellung.
Durch die frühzeitige Abstimmung der denkmalpflegerischen Belange mit den zuständigen Fachbehörden konnten relativ kurzfristig die aufwendigen Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten am Kirchenbauwerk, im Innenraum und an der Jehmlich-Orgel beginnen.
Die durchgeführten Arbeiten erfolgten mit höchstem denkmalpflegerischen Anspruch sowie Sensibilität gegenüber den restauratorischen Befunden.
Unter fachlicher Anleitung des Architekturbüros Herrmann & Zschiegner aus Zeulenroda arbeiteten insgesamt 23 Firmen, um die noch vor wenigen Jahren äußerlich und innerlich vom Verfall bedrohte Kirche als prägenden Sakralbau der Region zu retten.
Realisiert wurde der bauliche und damit verbundene enorme finanzielle Aufwand nur durch das engagierte Miteinander von Kirchgemeinde, Förderverein, kommunalen Entscheidungsträgern, Landesbehörden und zahlreichen privaten und gewerblichen Sponsoren, wie z. B. durch großzügige Spenden von Hans Bruno Bauerfeind und der Bauerfeind GmbH Zeulenroda.
Nach vielen Jahren intensiven Bemühens und des erfolgreichen Abschlusses aller Arbeiten verfügt die Kirchgemeinde und damit auch die Stadt Zeulenroda wieder über ein würdiges Gotteshaus und einer stilvollen Stätte für kulturelle Veranstaltungen.
Die hohe Einsatzbereitschaft und Eigenleistung der Kirchgemeinde und des Fördervereins ist beispielhaft beim Umgang mit dem baulich kulturellen Erbe und verdient eine Auszeichnung mit dem Denkmalschutzpreis.
Für diese Gesamtsanierung der Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda erhielt die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Zeulenroda den Denkmalschutzpreis 2006 des Landkreises Greiz.

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