13. Naturschutztag des Landkreises Greiz mit rund 40 Teilnehmern
Jahrzehntelang war der Pöllwitzer Wald für Spaziergänger und Pilzsucher tabu, „Normalsterbliche“ durften das bis 1990 von der Nationalen Volksarmee als Truppenübungsplatz genutzte Terrain nicht betreten. „Für die Natur war das eine Chance, hier konnte sich viel entwickeln“, erklärte der seit 1986 hier tätige Revierförster Robert Zimmermann den 40 Teilnehmern des 13. Naturschutztages, die sich auf eine Exkursion durch den Landkreis begaben.
Eingeladen hatte der Naturschutzbeirat, dessen Vorsitzender Rasmus Röhling die Interessenten bereits am Morgen zur Einführung des Informationstages unter dem Motto „Der Klimawandel und die Forstwirtschaft“ mit Vorträgen des Weidaer Forstamtsleiters Karsten Schröder und von Dr. Werner Westhus, Leiter der Fachabteilung Botanischer Artenschutz der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, in der Aula der Greizer Goetheschule begrüßte. Schröder zeigte die prognostizierte Klimaveränderung von 2070 bis 2100 auf, die mit einer Erwärmung in unserer Region von bis 2,2, Grad Celsius einhergehen könnte. Daraus würden sich ganz erhebliche Auswirkungen auf die Flora und Fauna des Landkreises ergeben. Schon heute bereiten die Fichtenbestände, die kühleres Wetter lieben, den Forstleuten Probleme. Schröder zeigte auf, dass die Rotbuche, die Weißtanne als Nadelholzersatz oder die Douglasie, deren Holzqualität der Lärche nahe kommt, oder der Bergahorn das Bild der bevorzugten Mischwälder bestimmen wird, der heute noch dominierende Fichtenanteil würde dann lediglich 20 Prozent betragen. Der Forstamtsleiter bestätigte, dass bereits seit 1994 jährlich rund 110 Hektar Wald den neuen Herausforderungen entsprechend umgebaut wurden. Dr. Westhus verwies darauf, dass Extremereignisse wie Hochwasser und Stürme zunehmen werden. Veränderungen in der heimischen Pflanzen- und Tierwelt sind schon jetzt festzustellen. So wurde zum Beispiel die bis dato in wärmeren Regionen beheimatete Bocksriemenzunge, eine Orchideenart, bereits an mehreren Fundorten der Region vor, auch Problemarten wie die Beifuß-Ambrosie (Taubenkraut), die starke Allergien auslösen kann, habe sich angesiedelt, erklärte der Botaniker.
Wie bereits eingangs erwähnt, war das FFH-Gebiet Pöllwitzer Wald die erste Station der Exkursion. Nahezu einmalig im Ostthüringer Raum präsentiert sich hier ein Moorgebiet, das vielen, teils auch seltenen Tierarten, wie zum Beispiel dem Schwarzstorch, Lebensraum bietet. Mitte der neunziger Jahre wurde begonnen, die schon von den Reußischen Fürsten trocken gelegten Moore wieder zu beleben. Und das mit großem Erfolg! Soweit das Auge reicht sind die Muldenmoore mit ihren besonderem Pflanzenwuchs - hier haben sich zum Beispiel Wollgräser, Sonnentau und Moosbeere angesiedelt - zu sehen. „Zwölf Torfmoosarten sind hier beheimatet“, erklärte der Geraer Experte Jürgen Rettich.
Die Tour führte weiter zum Aumaer Revier am Waldort „Kaltes Küchenhaus“. Revierförster Frank Oertel verwies hier auf die bereits realisierten Maßnahmen zum Waldumbau. Forstamtsleiter Schröder erläuterte die praktizierte Anpflanzung einzelner Weißtannen in bereits vorhandene Fichtenverjüngung, die einen natürlichen Verbissschutz bieten und damit eine kostspielige Umzäunung erübrigen. Mit 77 Prozent Anteil ist die Eiche im Waldort „Hain“ im Zedlitzer Revier zu finden. Aus historischen Gründen ist in unmittelbarer Nähe zur Osterburg ein eichendominierter Laubmischwald erhalten geblieben.
50 000 Solarmodule befinden sich auf dem insgesamt 24 Hektar großen Gebiet des Solarparks in Ronneburg, der als letzte Station von den Teilnehmern der Exkursion angesteuert wurde. Thilo Gabor von der GSL Bank erklärte technische Parameter dieser umweltfreundlichen Stromerzeugung mit einer Kapazität zur Versorgung von 1300 Vierpersonen-Haushalten. Die Besucher erfuhren, dass eine weitere, doppelt so große Anlage in der Ronneburger Region geplant sei.

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